Erste Medaillen für Österreich: IOAA 2026 in Hanoi
Fünf junge Astronomietalente, ein internationaler Wettbewerb und die ersten IOAA-Medaillen für Österreich: Unser Nationalteam kehrt mit einem historischen Erfolg aus Hanoi zurück.
Die 19. Internationale Olympiade für Astronomie und Astrophysik (IOAA) führte vom 25. September bis zum 5. Oktober 2026 mehr als 300 Jugendliche aus 64 Ländern und Territorien in Hanoi zusammen. Für Österreich traten Lukas Doktor, Simon Spitaler, Moritz Eisl, Michal Rajec und Stefan Winkler an. Begleitet wurden sie von den Teamleitern Benjamin Tonner und Matthis Tradel sowie von Miro Joensuu als Beobachter.
V. l. n. r. Miro Joensuu, Benjamin Tonner, Simon Spitaler, Moritz Eisl, Lukas Doktor, Michal Rajec, Stefan Winkler und Matthis Tradel
Besonders freuen wir uns über zwei Bronzemedaillen: Lukas Doktor von der HTL Eisenstadt und Simon Spitaler vom Erzbischöflichen Gymnasium Hollabrunn gewannen die ersten Medaillen für Österreich in der Geschichte der IOAA. Wir gratulieren dem gesamten Team zu seinem Einsatz, seinem Zusammenhalt und seinen Leistungen auf internationaler Bühne.
Lukas Doktor und Simon Spitaler gewinnen Bronze
Ein Jahr Vorbereitung für elf besondere Tage
Hinter dieser Reise stand eine intensive Vorbereitung: Auf die nationalen Auswahlrunden folgten Übungsaufgaben und sechs Online-Trainingstage im Sommer. Fachliche Unterstützung erhielten die Jugendlichen unter anderem von IOAA Germany und der Johannes-Kepler-Sternwarte Linz. Die Teilnahme an der Zentraleuropäischen Astronomie- und Astrophysikolympiade in Zagreb bot Anfang September zusätzliche Wettbewerbserfahrung. In Hanoi konnten die fünf schließlich zeigen, was sie sich über das Jahr erarbeitet hatten.

Ho-Chi-Minh-Mausoleum in Hanoi
Am 26. September eröffnete die Feier an der Phenikaa University die Olympiade. IOAA-Präsident Aniket Sule betonte den Wert der Freundschaften, die bei einer solchen Begegnung entstehen und über die einzelnen Prüfungen hinaus Bestand haben. Kulturelle Darbietungen begleiteten den Auftakt. Bevor sich die Teamleiter von den Schüler:innen verabschiedeten und diese ihre elektronischen Geräte abgaben, war uns eine Botschaft besonders wichtig: füreinander da zu sein, Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen und mit Freude an die Aufgaben heranzugehen. Im Wettbewerb sollte die Konzentration der Astronomie und Physik gelten. Unser Stolz auf das Team hing nicht von einer Medaille ab.

Teilnehmer aller Länder bei der Eröffnungszeremonie
Vom interstellaren Objekt bis zum Sternenhimmel
Das Programm umfasste vier Einzelprüfungen sowie einen separat gewerteten internationalen Teamwettbewerb. Den Auftakt bildete am 28. September die fünfstündige Theorieprüfung. Die Aufgaben reichten von der Bahn eines interstellaren Objekts über Sternwinde und Gravitationslinsen bis zur inneren Struktur Jupiters und zur Bestimmung der Masse eines supermassereichen Schwarzen Lochs. Gefragt waren physikalisches Verständnis, mathematische Ausdauer und die Fähigkeit, vertraute Grundlagen auf ungewohnte Situationen anzuwenden.
Am 29. September folgten der Teamwettbewerb und die Teleskoprunde, am 1. Oktober die Datenanalyse und am 2. Oktober die Planetariumsprüfung. Damit verlangte die IOAA ein breites Spektrum an Fähigkeiten: rechnen und modellieren, Messdaten auswerten, sich am Himmel orientieren und mit astronomischen Instrumenten umgehen.

Das für die IOAA errichtete Universitätsplanetarium
Die Arbeit hinter den Aufgaben
Auch für die Teamleiter waren es intensive Tage. Vor den Prüfungen diskutierten die Delegationen mit dem wissenschaftlichen Komitee Aufgabenstellungen, Lösungen und Bewertungsschemata. Anschließend mussten die Aufgaben sorgfältig übersetzt, kontrolliert und für die Schüler:innen zusammengestellt werden. Oft reichte die Arbeit bis spät in die Nacht, bevor am nächsten Morgen bereits die nächsten Besprechungen anstanden.

Die Teamleiter nach der Übersetzung der Theorierunde
Schon eine einfache Größenordnung zeigt den Aufwand: Die englische Theorieunterlage umfasst 22 Seiten. Bei fünf Schüler:innen und zwei gleich langen Sprachfassungen wären das 220 bedruckte Seiten allein für diese Unterlage, noch ohne zusätzliche Arbeits- und Antwortblätter. Nach dem Druck wurden die Prüfungsmappen kontrolliert, unterschrieben und gesichert. Nach den Prüfungen folgte die Durchsicht der Lösungen und die Besprechung der Bewertung mit der Jury, damit nachvollziehbare Lösungswege und Teilergebnisse angemessen berücksichtigt wurden.

Besprechung der Aufgaben im Board
Freundschaft, Kultur und gemeinsame Erinnerungen
Zwischen den Prüfungen wurde Hanoi zu einem Treffpunkt junger Menschen, die dieselbe Begeisterung für das Universum teilen. Bei Billard, Tischfußball und Brettspielen entstanden Gespräche und Freundschaften über Ländergrenzen hinweg. Der gemeinsame Ausgangspunkt war die Astronomie; bald ging es ebenso um Musik, Schule, Alltag und die unterschiedlichen Lebenswelten der Jugendlichen.

Das Team probiert vietnamesisches Essen
Zum Exkursionsprogramm gehörten die Zitadelle Thăng Long, der Literaturtempel und das Töpferdorf Bát Tràng. Sie eröffneten Einblicke in die Geschichte und Kultur Vietnams. Beim Kulturabend am 2. Oktober teilten die Teilnehmer:innen Tänze und Lieder aus ihren Heimatländern. Auf der Bühne und im Publikum wurde spürbar, wie aus vielen einzelnen Delegationen eine Gemeinschaft geworden war.

Performance beim Kulturabend
Zwei Medaillen und ein Erfolg für das ganze Team
Wie anspruchsvoll der Wettbewerb war, zeigt ein Blick auf die Ergebnisse: Der Median lag bei rund 210 von 600 möglichen Punkten, also bei etwa 35 Prozent. Lukas und Simon erreichten jeweils rund 250 Punkte und lagen damit deutlich darüber. Diese gerundeten Werte veranschaulichen, dass bei einer Olympiade auch eine weit von der Maximalpunktzahl entfernte Leistung eine internationale Auszeichnung verdienen kann.
Die Medaillengrenzen orientieren sich an der Punkteverteilung. Als Referenz dient der kleinere Wert aus dem Median und der Hälfte der erreichbaren Punkte. Die regulären Richtwerte liegen für Bronze bei dieser Referenz, für Silber beim 1,3-Fachen und für Gold beim 1,6-Fachen. Die genauen Grenzen werden nach den Statuten anhand benachbarter Ergebnisse festgelegt; sie sind daher keine starren Prozentgrenzen.
Die Teamleiter kannten die Ergebnisse bereits vor der offiziellen Bekanntgabe und behielten sie bis zur Abschlussfeier für sich. Am 4. Oktober wurde aus dieser stillen Vorfreude ein gemeinsamer Jubel: Lukas und Simon nahmen ihre Bronzemedaillen entgegen. Unsere Schüler:innen mit der österreichischen Flagge auf der Bühne zu sehen, war ein besonderer Abschluss dieser Reise. Die Medaillen würdigen herausragende Leistungen; die Erfahrungen und Freundschaften nehmen alle fünf mit nach Hause.
Das Team feiert seinen Erfolg nach der Olympiade
Danke an alle, die diesen Weg möglich machen
Unser herzlicher Dank gilt Teleskop-Austria, der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und dem Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. Ihre Unterstützung hilft dabei, jungen Menschen unabhängig vom normalen Schulangebot eine intensive Auseinandersetzung mit Astronomie und die Teilnahme an internationalen Wettbewerben zu ermöglichen.
Wir danken unseren Sponsoren!
Ebenso danken wir unserem Organisationsteam: Miro Joensuu als Obmann, IOAA-Beobachter und CEOAA-Teamleiter; Benjamin Tonner als Wettbewerbskoordinator, Vereinskassierer und IOAA-Teamleiter; Matthis Tradel als IOAA-Teamleiter und Mitorganisator; Lukas Gabriel als Mitorganisator und CEOAA-Teamleiter sowie Alëna Galunova für ihre Mitarbeit an der Organisation. Der Johannes-Kepler-Sternwarte Linz und unseren weiteren Trainern danken wir für ihre Zeit, ihr Fachwissen und die engagierte Begleitung der Schüler:innen.


